Man sagt: “Projekte scheitern nicht an Technik – sondern an Menschen” …

… was aber wenn das Scheitern von Menschen auch der Technik geschuldet ist?1

Die Gegenfrage soll darauf verweisen, dass die Erfolgsfaktoren und Risiken in IT Projekten nicht isoliert betrachtet werden können.

IT Projekte besitzen immer mindestens drei Perspektiven bzw. Bereiche

  • Management
  • Fachlichkeit
  • Technik

Jede dieser Perspektiven wird von Menschen eingenommen, die mit den Mitteln ihrer jeweiligen Perspektive versuchen ihre jeweiligen Ziele zu erreichen. Dabei wird oft vernachlässigt, dass die einzelnen Bereiche zwar frei in der Wahl ihrer Mittel sind – aber keineswegs frei von gegenseitiger Beeinflussung.

Zudem ist dieses Dreigestirn immer “unperfekt”. Das heißt es gibt in der Praxis nie ein theoretisch ideales Zusammenspiel. Im Gegenteil – zumeist dominieren die Unzulänglichkeiten und Tücken der alltäglichen Realität. Fehlende, falsche oder sich ändernde Informationen, Planänderungen, Terminverschiebungen, Fehler, unterschiedliche Prioritäten, technische Probleme, menschliche Probleme … usw..

Das bedeutet, dass die Kunst zum Erfolg zu gelangen – die Kunst ist – mit Unzulänglichkeiten so umzugehen, dass sie die Zielerreichung nicht gefährden. Hierzu sind Anpassungsfähigkeit und Veränderbarkeit grundlegende Voraussetzungen.

Genau in diesem Punkt aber unterscheiden sich die drei genannten Bereiche deutlich. Während Management und Fachlichkeit im wesentlichen mit immateriellen Dingen wie Verfahren, Regeln oder Wissen umgehen, die naturgemäß “beliebig” veränderbar oder auch austauschbar sind – so arbeitet die Technik immer mit konkreter, materieller Software, die ihre Möglichkeiten und Grenzen ganz klar und unumstößlich festlegt.

Darüber hinaus ist die Technik (Software oder Daten) das Endprodukt in IT Projekten und damit der Teil, der ganz materiell stetig anwächst und der allein durch seine Existenz und Größe unumgängliche Fakten und Werte schafft (die normative Kraft des Faktischen).

Anpassungsfähigkeit und Veränderbarkeit sind jetzt nicht mehr nur von den grundlegenden Eigenschaften der Technik abhängig sondern auch von der Größe und Anzahl der bereits geschaffenen Produkte.

Während also Management und Fachlichkeit gleichbleibend veränderbar sind und bleiben wird die Technik i.d.R mit zunehmenden Projektfortschritt immer unveränderlicher und gleichzeitig auch immer bestimmender.

In der Folge werden auch die Handlungsspielräume der Menschen enger und damit ihre Möglichkeiten den Unzulänglichkeiten der Realität mit Anpassung und Veränderung zu begegnen.

Softwaresysteme sind pure Technik, die unabhängig von der Systemgröße gleichbleibend gut veränderbar sein und bleiben muss, um den Menschen die mit ihr umgehen die Handlungsspielräume zu bieten, die sie brauchen um mit einer notorisch unzulänglichen Realität umgehen zu können.

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1: Überschrift Zitat von Tom de Marco – der den Begriff Technik sicher allgemein gemeint hat – wohingegen dieser Post Technik vor allem als Synonym für Softwaretechnik verwendet.